Freitag, 3. August 2012
Valencia - Tag
Heute morgen haben wir es dann endlich geschafft. Nach dem Frühstück ging es mit dem Auto nach Valencia.

Einige Kilometer hinter Vinaròs ist die Anschlussstelle zur Mittelmeerautobahn AP7, die natürlich kostenpflichtig ist - bis zu der kleinen Stadt Sagunto, etwa 25 km vor Valencia.

Kurz vor der Einfahrt in die Mautstation klingelte mein Handy. Eine Sozialarbeiterin des Diakonischen Werkes aus Essen war dran, ich hatte gestern vergeblich versucht, sie zu erreichen. Sie ist u.a. zuständig für das Übergangswohnheim in Überruhr. Vor den Ferien hatte ich sie gebeten, sich um die Probleme eines Bewohners zu kümmern - allerdings, wie ich inzwischen feststellte, vergeblich.

Mit dem Handy fuhr ich durch die Zahlstelle und hielt kurz danach an, um in Ruhe weitertelefonieren zu können.

Mautstation Sagunto

Ein - wie sich später herausstelle marokkanischer Familienvater kam zu mir und wartete etwas nervös mein Telefongespräch ab. Er sprach nur französisch, aber immerhin verstand ich so viel, dass er eine Panne hat (sein Auto ist der blaue Peugot) und ob ich über mein Handy die Notrufnummer seiner französischen Versicherung anrufen würde, damit von dort aus der Pannendienst organisiert werden könnte.

Freundlich wie ich nun mal bin, wählte ich die Nummer, die auf seiner grünen Versicherungskarte stand und gab ihm das Handy.

Mautstelle Sagunto

Irgendwie bekam er die ganze Angelegenheit aber nicht geregelt. Inzwischen hielt ein weiterer Wagen mit nordafrikanischen Leuten an, und er gab das Handy an einen Landsmann weiter, der nun seinerseits sein Glück versuchte.

Dann nahm der Familienvater wieder das Handy und ging zu einem Mitarbeiter der Mautgesellschaft.
Aus der Ferne konnte ich sehen, dass ein weiterer Nordafrikaner, der gerade dabei war, seine Maut zu bezahlen, nun das Handy hatte und seinerseits irgendwelche Verhandlungen führte.

Er fuhr dann - telefonierend - mit seinem Auto zu uns ...

Mautstelle Sagunto

... kam aber irgendwie auch nicht weiter, so dass ich mich anbot, mein Handy wieder zu nehmen und mich einzuschalten in der Hoffnung, dass die Frau am anderen Ende der Leitung spanisch sprechen würde. Konnten wir so der Klärung ein Stück näher kommen?

Nach einigem Hin und Her - und eines weiteren Kontaktes mit dem Mitarbeiter der Mautstelle (es ging zum Schluss darum, an welchem Autobahnkilometer das Pannenfahrzeug steht - das wusste der Mitarbeiter seltsamerweise aber auch nicht) gab sich die Frau am Telefon dann endlich mit der Ortsangabe "Autobahn AP7 Richtung Valencia, Mautstelle Sagunt" zufrieden.

Ich erklärte das Ergebnis den umstehenden Nordafrikanern und für den Familienvater war das Problem damit erst einmal gelöst. Er musste nur noch auf den Pannendienst warten.

Mit einer Verspätung also in Valencia angekommen parkten wir das Auto wieder in einer Tiefgarage und gingen als erstes zum Hauptbahnhof, der Estación del Norte.

Der ursprüngliche Bahnhof wurde bereits 1852 in Betrieb genommen. Der Umbau des "neuen Bahnhofs", der von dem jungen Architekten Demetrio Ribes entworfen wurde, begann 1907 und wurde erst 1917 fertiggestellt.

Valencia - Estación del Norte

Der Bahnhof Estación del Norte, ein "Sackbahnhof", ist einer der interessantesten Zivilbauten der Stadt. Sowohl das Äußere als auch die Details im Inneren sind in einem einzigartigen homogenen modernistischen Stil gestaltet, der zum Jugendstil gezählt werden kann ...

Valencia - Estación del Norte

... genaugenommen zum Stil der Wiener Secession; der Bahnhof ist sehr gut und aufwändig restauriert.

Valencia - Estación del Norte

Valencia - Estación del Norte

Valencia - Estación del Norte

Valencia - Estación del Norte

Valencia - Estación del Norte

Valencia - Estación del Norte

Valencia - Estación del Norte

Links neben der "Estación del Norte" liegt die 1860 fertiggestellte und 2010 von Grund auf sanierte Stierkampfarena, La Plaza de Toros.

Valencia - Stierkampfarena

Von dort gingen wir nördlich in den historischen Stadtkern mit kleinen Gassen, Plätzen, kleinen, zum Teil kuriosen Geschäften, Cafeterias und Restaurants und zahlreichen Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel dem 1922 fertiggestellen "Edificio de Correos y Telégrafos" am Rathausplatz, dem Plaza del Ayuntamiento ...

Valencia - Edificio de Correos y Telégrafos

... oder dem Mercado Central ...

Valencia - Mercado Central

... dem wohl ältesten Marktgebäude Europas, mit dessen Bau 1914 begonnen, der aber erst 1926 beendet wurde.

Architektonisch kombiniert der Mercado Central Metall, die Kuppeln ...

Valencia - Mercado Central

... das Glas ...

Valencia - Mercado Central

... Säulen ...

Valencia - Mercado Central

... wie eine Erinnerung der Gothik an den Modernismus. Durch die architektonischen Elemente wirkt dieses Gebäude wie eine Kathedrale des Handels.

Nicht zufällig liegt der Mercado Central gegenüber der "Lonja de Sede", der Seidenbörse, einem der bedeutensten Gebäude der profanen Gothik in Europa, im 16. Jh. fertiggestellt.

Sie besteht aus vier Teilen: dem Turm, dem Saal Consulado del Mar, dem Orangenbaum-Innenhof und dem Säulensaal.

Valencia - Lonja de Sede

Valencia - Lonja de Sede

Nun könnten noch etliche weitere geschichtsträchtige Gebäude gezeigt werden, die wir auf unserer Stadtrundfahrt gesehen und erklärt bekommen haben.

Valencia - Stadtrundfahrt

Das Problem war nur, dass

der Buss sehr alt und sehr klapprig war, z.B. das Fenster, an dem ich saß, bei dem einige Schrauben fehlten (wirklich bei dem Fenster und nicht bei mir);

der Kasten, in dem der Kopfhörer eingesteckt wurde, einen Wackelkontakt hatte, so dass zumindest ich teilweise nichts gehört habe;

der Bussfahrer nicht besonders synchron zu den Informationen fuhr, und wenn ich dann mal hörte, wie ein Gebäude erklärt wurde, habe ich alles gesehen, nur nicht das entsprechende Gebäude.

Immerhin gibt es ...

... im ganzen historischen Stadtkern Valencias diese wunderschönen Laternen ...

Valencia - Altstadtlaternen

... die ab 1262 an der Stelle eines alten römischen Tempels bzw. auf den Grundmauern einer alten Moschee errichteten und bis Ende des 18. Jh. immer wieder umgebauten Kathedrale.

Valencia - Kathedrale

Bemerkenswert: Im als Capilla del Santo Caliz bezeichneten Kapitelhaus aus dem 15. Jahrhundert im Südosten des Bauwerks wird der Heilige Kelch aufbewahrt, der sich dort – mit Unterbrechungen – seit dem Jahr 1506 befindet. Er wurde wahrscheinlich in der Zeitperiode von dem 3. Jahrhundert vor Christus bis zum 1. Jahrhundert vor Christus angefertigt ...

Valencia - Heiliger Gral

... allerdings ist spätestens seit 1989 und dem Film "Indianer Jones und der letzte Kreuzzug" definitiv geklärt, dass auch dieser wertvolle Kelch aus Valencia nicht der Heilige Gral sein kann. ;-)


Und es gibt dann noch ...

... diese Balkontüren mit Gardinen aus Krawatten ...

Valencia

... dieses Kreuz, dass sowohl an die christlichen Wurzeln als auch an die Richtung der alten Stadtmauer erinnert ...

Valencia

... dieses Monument aus iberischer, also vorrömischer Zeit ...

Valencia - iberisches Monument

dessen nähere Hintergründe mir aber leider durch die technischen Probleme mit den Ohrhörern verborgen geblieben sind ...

... dieser typische Schinkenladen ...

Valencia

...diese Taverna de la Reina ...

Valencia

... einige historische Stadttore und manch andere Fotos auf meinem Laptop, die den Rahmen des heutigen Blogs vielleicht sprengen würden - falls das nicht schon geschehen ist.

Natürlich machten wir immer mal wieder eine kleine Pause, um Kaffee oder kaltes Wasser zu trinken und um auch etwas Ruhe und Erholung beim Weiterlesen in unseren Büchern zu finden.

Vor der Rückfahrt nach Vinaròs gönnten wir uns zum Schluss in einer kleinen Seitenstraße ein kleines Abendessen.

Ein solcher Tag, der mit einer Freundlichkeit begonnen hatte, konnte wohl nicht ohne Freundlichkeit enden: An der gegenüber unserem Tisch liegenden Hauswand mühten sich eine ältere und eine jüngere Frau, beide relativ klein, ein in etwa 3 m Höhe angebrachtes Schild "En Venta" (zu verkaufen) wieder abzumachen, was ihnen nicht gelang. Nachdem wir uns das eine Weile angeschaut hatten, bot ich höflich, wie ich nun mal bin, meine Hilfe an, zog einen Stuhl heran und entfernte sehr zu Freude der beiden Frauen das Schild.

Ach ja, für Phase 10 blieb heute leider keine Zeit.

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Donnerstag, 2. August 2012
... Tag
Nach dem kurzen "Silvesterereignis" von gestern Abend / Nacht (und dem Bloggen) sind wir heute erst so gegen 10:00 aus dem Wohnwagen gekommen.

Frühstück, Zeitung, Sudoku und Phase 10 (diesmal war wieder Angelika die Glückliche), danach haben wir ein wenig "gearbeitet": eMails beantwortet bzw. geschrieben, dienstliche Telefonate geführt (FD) - und natürlich gelesen. Letzteres führte mal wieder dazu, dass wir die Zeit vergessen hatten und nach einem kleinen Boquadillo-Mittagessen (sowas wie Brötchen vom Baquetterest - mit Käse, Wurst und eingelegten Paprikascheiben und als Nachtisch Weintrauben) machten wir uns mit den Rädern wieder auf den Weg nach Vinaròs, um u.a. noch ein Foto abziehen zu lassen, dass ich für Ramona vergessen hatte.

Natürlich hatten wir die Bücher wieder dabei und steuerten unser Internetcafe "Miralls"an.

Vinaròs - Internetcafe - Cafetería Miralls
Hier mal endlich ein komplettes Bild

Das Cafe liegt am Rand des Plaza Sant Antonio, der einer der Hauptpläze von Vinaròs ist.

Vor der Neugestaltung des Platzes trafen sich hier die unterschiedlichsten Menschen (Senioren, Migranten, Touristen, Familien mit Kindern), saßen auf den in mehreren Kreisen aufgestellten Bänken um den alten Springbrunnen oder in der Nähe des Spielplatzes (leider habe ich hier keine ältere Fotos).

Nun ist der Platz großzügig und sehr teuer umgestaltet, es gibt immer noch einen Springbrunnen, der meiner Meinung nach aber nicht mehr so schön ist, wie der alte ...

Vinaròs - Plaza Sant Antonio

... und die Bankkeise gibt es auch, seltsamerweise sind die Bänke aber nach außen aufgestellt ...

Vinaròs - Plaza Sant Antonio

... was nicht besonders einladend wirkt.

Im Cafe Miralls verging die Zeit schnell und wir machten uns auf den Weg Richtung Campingplatz.

Da wir ohnehin auch in diesem Jahr zum "Muschelmann" gehen wollten und das Strandrestaurant auf dem Weg liegt, beschlossen wir, unseren Plan in die Tat umzusetzen.

Vinaròs - Muschelmann

Vinaròs - Muschelmann

Vinaròs - beim Muschelmann

Vinaròs - Muschelmann
Hinter dieser sehr einfach gehaltenen Theke ist die Küche.

Angelika bestellte sich Calamares ...

Vinaròs - Muschelmann - Calamares

... frisch in Mehl gewälzt zubereitet ...

... und ich mir Mejillones ...

Vinaròs - Muschelmann - Calamares

... in einem sensationellen Sud gekocht, den ich nie zurückgehen lasse.

Es war schon dämmrig, als wir am Campingplatz ankamen.

Als es dann ganz dunkel war, konnten wir endlich auch den Vollmond fotografieren; der war eigentlich der Grund, warum wir die beiden Frauen fotografierten (s.o.), aber gegen den hellen Hintergrund hatte der Mond keine Chance.

Vollmond in Vinaròs

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Mittwoch, 1. August 2012
Renate-Tag + Silvester ;-)
Heute morgen war es etwas bedeckt und nach dem üblichen Frühstück fuhren wir mit den Rädern nach Vinaròs, um ein paar Fotos für Ramona und Bautista abziehen zu lassen. In Vinaròs gibt es keinen "normalen" Fotoladen mehr, die Fotos auf einem Stick werden aus einem Fotodrucker direkt ausgedruckt - die Qualität lässt schon etwas zu wünschen übrig.

Von Vinaròs aus sind wir direkt zu einer Freundin von Angelika - Renate gefahren. Sie ist eine ehemalige Grundschullehrerin, die sich frühzeitig hat pensionieren zu lassen, um sich ihrer Kunst - Malerei - Skulpturen - zu widmen.

Sie war gestern auf dem Campingplatz, um uns zu besuchen - allerdings vergeblich, denn wir waren ja in Tortosa.

Renates Gruß

Renate hat so ziemlich am nördlichen Ende der Küstenstraße einen Bungalow, in dem sie in der Regel von Mai bis September lebt.

Remate und Angelika

Mit dabei ist immer ihr Hund "Pünktchen"; der heißt so, weil er auf seinem hellen Fell eine dunkle, punktähnliche Stelle hat.

Renate und Pünktchen

Seit Jahren hat es sich irgendwie immer ergeben, dass wir "Kunst" - Bilder etc. mit nach Essen zurücknehmen. In diesem Jahr haben wir einige Bilder von Essen mit nach Vinaròs genommen, da Renate Mitte August hier eine Ausstellung hat. Und das war u.a. auch der Grund, warum wir uns treffen wollten, denn wir werden ihr behilflich sein, ihre Bilder und Skulpturen zum Ausstellungsort zu bringen.

eines von Renates Bildern
Dieses Bild ist 1,60 x 1,60 und wird so gerade in den Buss passen.

Eine von Renates Skulpturen
Diese Skulptur entstand aus einem in einer gelsenkirchener Industriebrache gefundenen Schrottstück.

Wir verabredeten uns zum gemeinsamen Abendessen in "La Rustica", fuhren nach Hause - also zum Campingplatz, spielten Phase 10 ...

Phase 10

... diesmal habe ich (FD) gewonnen - souverän.

Gegen 18:00 Uhr trafen wir uns also in dem kleinen Restaurant ganz in der Nähe des Campingplatzes, das von einem Deutschen betrieben wird.

La Rustica

La Rustica

La Rustica

Ein besonderes Angebot unter vielen ist der Salat - man kann sich die Zusammenstellung auf einem Zettel selbst auswählen.

Gegen 20:30 waren wir dann wieder auf dem Campingplatz und wir beschlossen, mal endlich "nach vorne", also zur Cafetería des Platzes zu gehen. Bislang hatten wir das noch nicht geschafft.

Camping Vinaròs - Terasse Cafetería

Wir nahmen unsere Phase-10-Karten mit und wunderten uns zunächst, dass es so leer war.

Camping Vinaròs - Terasse

Nach einiger Zeit wurde es dann etwas umtriebig, die Tische wurden mit bunten Tüten geschmückt und mir fiel dann ein, dass ja heute "Silvester" gefeiert wurde, (nachdem schon in der letzten Woche zu unserem großen Erstaunen Weihnachten gefeiert wurde).

Es kam ein Kellner, der Sektgläser (aus Plastik) an alle Plätze brachte und später auch tatsächlich mit Sekt (war wohl Proseco) füllte.

Camping Vinaròs - Silvester

Als sich dann die Plätze so allmächlich gefüllt hatten, die ersten Gäste die bunten Tüten aufrissen und sich Papierhüte, Brillenmasken und Plastiklippen antaten ...

Camping Vinaròs - Silvester

... war für uns der Zeitpunkt, zu gehen.

Wir sind zwar keine Spaßbremsen, aber nach Silvester war uns nicht.

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